Forscher haben herausgefunden, dass eine kohlenhydratarme und zugleich extrem fettreiche Ernährung dazu beitragen kann, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen. Ein Krebs-Tumor hat einen anderen Stoffwechsel als eine gesunde Zelle. Zwar verbrauchen maligne Zellen wie gesunde Zellen für ihre Energiegewinnung Glucose (= Kohlenhydrat), doch anders als diese „vergären“ die meisten Tumorzellen den Zucker, d.h. sie verarbeiten ihn ohne Sauerstoff, selbst dann, wenn Sauerstoff zur Verfügung steht. Das machen die Tumorzellen, weil am Ende dieses Stoffwechselweges Laktat entsteht, ein Stoff, der eine Schutzfunktion für Tumorzellen ausübt.

Die Energieausbeute bei dieser Stoffwechselform ist um das 15-fache geringer als durch eine normale Verarbeitung des Zuckers. Dies gleichen die Tumorzellen durch eine 20-30-fach höhere Aufnahme von Glucose aus, unabhängig vom Nahrungsangebot. Mit anderen Worten, sie zehren den Körper aus.

Alle bösartigen (malignen) Tumoren verändern den Körper-Stoffwechsel zu ihren Gunsten. Sie beschleunigen den Proteinabbau des Körpers, um auf diese Weise an Glucose zu kommen. Der Proteinabbau kann doppelt so hoch sein wie bei Gesunden und geht hauptsächlich zu Lasten von Muskeleiweiß.

Fette und deren Bausteine, die Fettsäuren, dagegen werden von Tumorzellen so gut wie gar nicht verwertet. Dies machen die normalen Körperzellen dafür um so mehr, um die eigene Energieversorgung mangels Glukose aufrecht zu erhalten.

Das alles ist der Grund für die bei Tumorerkrankungen sehr häufig vorkommende körperlichen Auszehrung (Kachexie).

Die bestmögliche Ernährung bei Krebskranken sollte daher Fett- und Protein-REICH und gleichzeitig eher Kohlenhydrat-ARM sein: (siehe Tabelle unten).

Neben der Krebs-Erkrankung selber können die oftmals sehr schweren Nebenwirkungen der verschiedenen Krebstherapien (Chemotherapie, Bestrahlung) den Ernährungszustand weiter erheblich beeinträchtigen. Schmerzen und der teilweise erhebliche Gewichtsverlust sind daher die am meisten gefürchteten Folgen einer Krebserkrankung. Zusätzlich führen der tumorbedingte Appetitverlust (Anorexie) und therapiebedingte Veränderungen des Geschmacksempfindens ebenfalls zu Auszehrung (Kachexie).

Die Kachexie ist die zweithäufigste, bei 10-20 Prozent der Krebs-Erkrankten sogar die einzige Todesursache bei Krebs.

Ein wichtiges Ziel der Ernährungstherapie bei onkologischen (= Krebs-)Patienten ist daher, einen guten Ernährungszustand zu erhalten oder wieder zu erreichen und damit die Toleranz gegenüber Therapien zu verbessern, ernährungsbedingte Nebenwirkungen zu verringern, das Infektionsrisiko zu reduzieren und als letzten, aber ebenso wichtigen Grund die Lebensqualität zu verbessern.

Ein guter Ernährungszustand kann die Prognose der Erkrankung erheblich verbessern, andererseits ein Mangelzustand zum Abbruch notwendiger Therapien führen.

Im Vordergrund der Ernährungstherapie sollten Quark, Eier, Fleisch, Butter stehen. Kartoffeln, Reis oder Brot sollten nur in Maßen genossen werden.

Bei Krebs-Patienten wird die Wahl der Nahrungsmittel häufig entscheidend durch ihre individuelle Verfassung, ihre persönlichen Vorlieben oder Abneigungen mitbestimmt.

Zugaben von Raps-, Leinöl, guter Butter, Sahne oder Kokosfett in Speisen und Getränken zu allen Mahlzeiten bringen Kalorien in den Körper und erfüllen die Forderung nach einer fettreichen Ernährung.

Zwischenmahlzeiten wie Fruchtjoghurt oder -quark mit Sahne angereichert, versorgen gut mit Proteinen und Fett. Ganz wichtig dabei ist die Qualität und Zusammensetzung der Fette bzw. Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren (in Raps-, Lein- und Walnussöl, Fisch wie Makrele oder Hering) hemmen das Tumorwachstum und verbessern den Ernährungszustand, während Omega-6-Fettsäuren (z. B. in Sonnenblumenöl) das Tumorwachstum und die Metastasierung eher stimulieren. Hier ist das Verhältnis dieser beiden Fettsäuren ganz wichtig.

Inzwischen gibt es für spezielle Fälle Zusatznahrungen für onkologische und mangelernährte Patienten mit hohem Fett- (Omega-3-Fettsäuren) und Proteingehalt. Die Zusatznahrungen lassen sich als Zwischenmahlzeit trinken oder in Desserts oder Hauptspeisen einmischen. Sie werden in verschiedenen akzeptablen Geschmacksrichtungen angeboten.

Bei einem hohen Kaloriengehalt besitzen sie gleichzeitig ein geringes Volumen, so dass sie sich als kleine Zwischenmahlzeiten selbst für appetitlose Patienten eignen. Die meisten dieser Zusatznahrungen lassen sich auch zum Aufwerten normaler Speisen verwenden.

Wenn durch Appetitlosigkeit oder Widerwillen die wünschenswerte Menge an Fett, speziell Fischöl, nicht erreicht wird, können Omega 3-Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein. Spezieller Bedarf besonders an fettlöslichen Vitaminen besteht nach Operationen im Gastrointestinaltrakt und bei dauerhaften Durchfällen. Hier sollten Supplemente den speziellen Anforderungen entsprechend gegeben werden.

Andere Supplemente wie Vitamine und Mineralien sollten dagegen nur nach individueller Prüfung durch den Arzt oder Ernährungstherapeuten empfohlen werden, da v.a.Mineralien überdosiert werden können. Hohe Dosen von Anti­oxidanzien können die Wirkung einer Bestrahlung reduzieren.

Eine Sonderrolle nimmt Selen ein, das die Nebenwirkungen einer Chemotherapie reduzieren kann. Die Höhe der Dosierung sollte immer in Absprache mit den behandelnden Ärzt(inn)en festgelegt werden.

Die Onkologen Richard Béliveau und Denis Gingras haben in ihrem Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ eine Reihe von Studien zusammengetragen, die aufzeigen, dass Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Soja, fetter Fisch, Beeren, Kurkuma oder grüner Tee einzeln oder gemeinsam Krebszellen bekämpfen können. Inwieweit sich hierbei Prävention und Therapie überschneiden, sei dahingestellt; ein Fehler, diese Lebensmittel in die Ernährungstherapie einzubinden, ist es sicherlich nicht.

Die Lebensqualität des Patienten sollte immer den Vorrang haben bei allen Ernährungsempfehlungen und möglichen Restriktionen. Wenn ein Patient Lust auf etwas Schokolade, ein Stück Kuchen oder ein Eis hat, soll und kann er es mit Genuss und Freude verspeisen. Damit wird die Psyche ein bisschen gestreichelt, die unter der Krankheit und der Therapie genauso zu leiden hat wie der Körper.

 

 Nährstoff Menge Bemerkungen
Fette mindestens 50 % der Nichteiweißkalorien – bevorzugt Leinöl und Fisch (-öl)
(Omega-3-Fettsäuren ca. 4-6 g)
– Butter, Kokosfett
– mittelkettige Triglyceride (MCT)
eher nicht:
– linolsäurereiche Öle (Sonnenblumen-, Maiskeim-, Sojaöl)
Für Ölsäure (Olivenöl) liegen derzeit außer für die Prävention keine übereinstimmenden Resultate vor. Ein leicht hemmender Effekt auf das Tumorwachstum wird jedoch angenommen.
Eiweiß (Protein) 1,2 bis 2,0 g/kg Körpergewicht) tierisch/pflanzlich
Kohlenhydrate weniger als 20 % der Gesamtenergieaufnahme bevorzugt langkettige KH bzw. niedriger glykämischer Index, z. B. Vollkornprodukte, Gemüse
Energie 30-35 kcal/kg Körpergewicht Krebspatienten sollten versuchen, ihr Gewicht zu halten.

 

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